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2016-08-13 bis 2016-08-15 Wanderung Braunarlspitze

verfasst von franz_f, uli_r am 19.07.2016

Braunarlspitze 3-Tage-Wanderung im Lechquellgebiet
13. bis 15. August 2016

Tag 1
Martin hat eine 3 Tagestour ins Lechquellgebiet geplant, Marion, Sonja, Uli, Bernd, Fritz und Robert nutzen die Gelegenheit, zusammen mit ihm die markante Landschaft um das Quellgebiet des Lechs zu erleben.
Perfektes Wetter schon morgens um 7 Uhr. Kurze Fahrt mit Privat PKWs bis nach Schoppernau. Der Ausgangspunkt für die Tour ist ganz in der Nähe der Armenseelenkapelle. Zum Warmlaufen blieb keine Zeit. Der Anstieg zum Toblermann (fast 1100 Hm) führt anfangs über einen steilen Fahrweg, dann über einen passablen Fußweg. Aber schon vor der Hochalpe treten wir ein in das Hoheitsgebiet des Braunviehs. Der Regen der Vortage und Tausende von Hufeindrücken machen das Höherkommen zu einem mühsamen Unterfangen, ein eigentlicher Weg ist nicht mehr vorhanden. Dazu noch eine Anzahl von Elektrozäunen. Knapp vor dem Gipfel des Toblermann stärken wir uns umgeben von vielen Blumen, die teilweise schon am Verblühen waren. In der Tiefe des Tals entdecken wir von der Weite einen großen Vogel - vermutlich ein Adler.
Die Sicht an diesem Morgen ist glasklar, ein perfektes Wetter. Keine Wolke versperrt die Sicht auf Widderstein, Biberkopf, Zitterklapfen und unser nahes Ziel, die Hochkünzelspitze. Viele der unzähligen Gipfel, in der Ferne auch schneebedeckt, können wir nicht mit Namen benennen.
Es folgt ein steiler Abstieg (400 Hm) über einen feuchten und schmierigen Weg zur Unteren Gautalpe. Der Anstieg zum Glattjöchl ist begleitet von vielen Bergblumen, einzeln stehend oder in Flächen als Polster. Das intensive Blau der kleinen Schusternägele sticht besonders ins Auge. Einige kleine, unbenannte Seen oder Tümpel dienen als Wasserspeicher für die Vegetation.
Die Hochkünzelspitze, für die meisten von uns eine Erstbesteigung, ist noch ein lohnender Abstecher, bevor wir dann zur Biberacher Hütte, die wir schon von der Weite erkennen, absteigen. Sie befindet sich in prächtiger Lage auf einem Hochplateau in 1846 Meter Höhe.
Mit etwas Glück bekommen wir ein 9er Lager. Es gibt eine Dusche, das Wasser ist allerdings s... kalt. Die letzten Stunden vor dem Verschwinden der Sonne genießen wir auf der Terrasse, den Durst mit den verschiedensten Getränken stillend. Das Abendessen ist, was den Hauptgang betrifft sehr übersichtlich, 5 Kroketten mit etwas Fleisch. Suppe und Nachtisch sind ok. Es gibt allerdings auf Anfrage einen Nachschlag. In der Stube wird Bernd dann in das ihm unbekannte Spiel "Mäxle" eingeweiht. Alle Mitspieler bemühen sich intensiv, ihn möglichst zügig in das für das Spiel erforderliche Schummeln und Täuschen einzuführen. Die erlernten Fähigkeiten bekommt besonders Fritz zu spüren, der vor Bernd sitzt. Vor dem Schlafengehen können einige von uns am wolkenlosen Himmel die ISS beobachten.

Tag 2
Exakt um 7 Uhr öffnet sich die Türe zur Stube, es erwartet uns ein sehr üppiges Büffet, bei dem auch eine Schüssel mit Obst nicht fehlt. Uli stellt mit ihrem Wunsch nach einem Liter heißen Wassers - zur Präparation von Ingwertee - die Logistik der Küche auf eine harte Probe.
Unser Weg führt zunächst über 1,5 km auf dem Hochplateau, dann steil über fast 500 Hm hinab ins Metzgertobel, immer die gewaltige Braunarlspitze linksseitig vor Augen. In einem kräftig sprudelnden Bach werden die Wasservorräte aufgefüllt. Es folgte ein nahrhafter Anstieg (600 Hm) auf das Mutterwangjoch, dort besonders schöner Blick nach Westen. In überwiegend felsigem Gelände noch mäßiger Anstieg zum Gamsbodenjoch und zur unmittelbar auf gleicher Höhe dahinter liegenden Göppinger Hütte (2245 Meter). 100 Meter hinter der Hütte schöner Blick ins Tal von Zug, auch ein Teil der Skihänge und Gipfel von Lech/Zürs sind gut zu sehen. Die Hütte macht einen insgesamt sehr guten Eindruck, relativ klein, alles sauber, freundlicher Empfang. Das Wasser ist Mangelware (es gibt nur Regenwasser), man soll es auch nicht trinken. Deshalb kein WC, dafür ein faszinierendes Plumpsklo, komplett ohne einschlägigen Duft. Waschraum für Herren im Keller, eine Dusche ist aber nicht vorhanden. Gibt es vielleicht eine für die Damen? (auch Fehlanzeige und am Waschbecken kommt nur ein Rinnsal aus der Leitung) Am Kellerabgang liegt gelegentlich die rotweiße Hauskatze und wartet auf Streicheleinheiten der vorbeikommenden Wanderer.
Bezug des Lagers, wir bekommen ein 5er Zimmer, das ist schon sehr gut.
Der Tag ist noch nicht zu Ende. Die drei Damen, Robert und Martin sind wild entschlossen, noch auf die Hochlichtspitze, den Hausberg der Göppinger Hütte, zu steigen, 2600 Meter hoch, ca. 450 Hm. Bernd wird überzeugt mitzukommen, Fritz sieht sich die Umgebung von der Hütte aus an. Die Bedienung sagt uns schon, dass am Gipfel kaum Platz für mehr als 2-3 Personen ist. Nach anregendem Gekraxel können wir uns selbst davon überzeugen. Es gibt wirklich kaum Platz für ein gemeinsames Gipfelfoto. Zufrieden an der Hütte zurück, freuen wir uns schon auf das Abendessen. Dies ist sehr umfangreich, sogar mit gemischtem Salat.
Mehrere Mäxlerunden füllen den Abend, begleitet von entspannendem Rotweingenuss. Schicksal von Fritz, er saß wieder vor Bernd. Insgesamt war aber die Situation für alle recht ausgeglichen hinsichtlich Austeilen und Einstecken.
Nachts können diejenigen von uns mit leichterem Schlaf bei offenem Fenster und klarem Himmel in der Weite ein Gewitter sehen, Donnergrollen folgt nicht.

Tag 3
Die Stube wird schon vor 7 Uhr geöffnet, das Frühstück etwas übersichtlicher im Vergleich zur Biberacher Hütte, den Kaffee schenkt der Hüttenwirt persönlich aus. Trinkwasser für die ersten Stunden muss man kaufen. Draußen ist es noch angenehm mild, der Himmel ist aber schon etwas mit Wolken überzogen. Auf dem Weg zur Braunarlspitze sehen wir teilweise schon tiefhängende, graue Wolken und Nebel. Mancherorts hängen auch schon Regenschauer in den Bergen. Der Weg führt durch die Südhänge der Braunarlspitze. Faszinierend sind dort die Gämsen und Steinböcke, die im steilen Fels ihre Kletterkünste zeigen. Die vielen Kleinen sind besonders übermütig.
Am Einstieg in die Braunarlspitze deponieren wir die Stöcke oder hinterlegen ganz oder teilweise das Gepäck. Gelegentlich braucht man die Hände, insgesamt geht es aber zügig zum Gipfel. Rundum Wolken und Nebelschwaden. Robert entdeckt auf dem Kamm zwei ruhende Steinböcke. Wir werten dies als Zeichen dafür, dass kein Gewitter im Anzug war. So gingen wir ganz entspannt hinunter zum Butzensee. Ein kleiner See an der Flanke zur Mohnenfluh. 2 Damen und 2 Herren zogen ihre hautfarbenen Badeanzüge an und stürzen sich ins Wasser. Lange dauert es nicht bis sie wieder in der zeitweilig hervorlugenden, wärmenden Sonne sitzen.
Nach einer Stärkung geht es anfangs den Hang querend hinunter ins Tal Richtung Schröcken. Der Weg ist teilweise schmierig, an den kritischen Stellen aber mit Fixseil gesichert. Auf bequemem Wanderweg kommen wir dem Ende der Tour in Schröcken näher.
Martin und Robert bemühen sich bei einem älteren Ehepaar um eine Mitfahrgelegenheit, um die Autos zu holen. Anfangs etwas spröde, erleichtert die Ankunft unserer Damen die Entscheidung des Herrn.
Kaum sitzen wir auf der Terrasse eines Restaurants, schon kommen für kurze Zeit einige Regentropfen.
Wir sind uns alle einig, dass die vergangenen drei Tage sehr schön gewesen sind - prächtiges Wetter, tolle Landschaft und Vegetation einschließlich der Tiere und nicht zuletzt die gute Kameradschaft.

Dank an Martin, der wieder einmal eine gelungene Tour zusammen gestellt und geführt hat. Wir haben es ihm aber auch nicht allzu schwer gemacht.

Strecke gesamt 45 km, Anstieg zusammen 4000 Höhenmeter.

Bernd


Ort Höhenangabn(m)
Schoppernau - Armenseelenkapelle 913
Toblermann 2010
Untere Gautalpe 1612
Glattjöchl
Hochkünzelspitze 2397
Biberacher Hütte 1846
Metzgertobel 1400
Obere Alpschellaalpe 1682
Mutterwangjoch 2025
Gamsbodenjoch - Göppinger Hütte 2245
Hochlichtspitze 2600
Braunarlspitze 2649
Butzensee 2124
Schröcken 1269


                 
     

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