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2019-03-01 Faschingsskitouren

verfasst von franz_f, martina_s am 23.08.2018

20190303-G3-P3550245 Die traditionellen Skitourentage zur närrischen Jahreszeit finden auch in diesem Jahr südlich des Alpenhauptkammes statt. Luis hat noch einmal das Val di Sole auserkoren. Während uns im Norden der Winter mit Schnee verwöhnt, schwächelt er im Süden. Nur Wind und Sonne gibt es dort reichlich, die weiße Grundlage der Skifreuden ist weitgehend menschengemacht und im Bereich der Aufstiegsanlagen zu finden. Bei der Anfahrt am Freitag nimmt erwartungsgemäß die Schneehöhe neben der Straße nach dem Arlberg markant ab und bald ist nur noch nordseitig hoch oben etwas zu finden. Das Val di Sole macht seinem Namen alle Ehre.
Nach herzlichem Empfang und Bezug der Zimmer gibt es leckeres Abendessen, dann lüftet Luis den Plan für den ersten Tourentag. "Adamello-Freeride" - auf den Gletschern oberhalb des Tonalepass, auf 3000 Metern, sollten wir genug Schnee finden.
Um 8.30 Uhr fährt die erste Gondel von der Passhöhe und wenig später sind wir unterwegs zum Passo Paradiso. Als wir an der Bergstation an der Cima Presena aussteigen empfängt uns das gigantische Panorama mit Sonnenschein und Windstille. Nach ausgiebiger Gipfelschau wendet sich die Konzentration der Abfahrt zu. Es gibt Schnee, vom Wind fest gepresst, sodass die vielen steinigen Hindernisse gut sichtbar sind. 600 Meter tiefer, am Lago Mandrone, werden die Felle auf die Ski geklebt und wir wechseln in den Aufstiegsmodus. Italiener mit klimpernder Gletscherausrüstung, minimalistischen Rucksäcken und "Spaghettiski" ziehen Richtung Adamello-Gletscher während wir rechts abbiegen, um zum Passo della Valletta zu gelangen. Eine sonnige Rast mit bester Aussicht auf den riesigen Gletscher und die Gipfel der Lobbia Alta gibt Kraft für den finalen Anstieg in der immer steiler werdenden Gletschermulde. Hier ist der Schnee wieder hart gepresst und erfordert konzentrierte Spitzkehren. Harscheisen sind kein Luxus. Der Wind legt auf den letzten Meter zum Monte Venezia etwas an Stärke zu und lässt es am Gipfel kalt und ungemütlich werden, stehen wir doch fast auf 3300 Metern.
Die Spannung steigt - wie wird der Schnee zur Abfahrt sein? Im Jahr zuvor gab es hier 2000 Meter feinster Powderabfahrt!
Der erste Teil auf dem Vedretta Pisgana ist fein - "alter Pulver", der schnell mit schönen Spuren verziert wird. Die seitlichen Flanken des Gletscherbeckens beeindrucken mit grün schimmernden Eisgirlanden zwischen dunklen Felsen. Dann kommen zwei schneearme Steilstufen, doch Luis findet einen "skibaren" Weg zwischen Fels und Eis. Die erste Hürde wird mit konzentriertem Abrutschen in einer steilen, schmalen Rinne, die zweite mit beherzter Schussfahrt übers grüne Eis (und anschließender Textilbremse) überwunden.
Ein nicht enden wollender steiler Alpweg mit viel Botanik (Erlengebüsch) entlässt uns schließlich an der Talstation eines Sessellifts. Auf einer harten Kunstschneepiste kehren wir über Ponte di Legno zum Parkplatz zurück. Es locken die Annehmlichkeiten der Unterkunft wie Sauna und Whirlpool, die vor dem Abendessen die Lebensgeister wieder erwecken. Inzwischen tüftelt Luis unter Mithilfe der Wirtin, die alle Bergführer und Skitourengeher des Tales ausgefragt hat, am Plan für den nächsten Tag.
In der Brenta war der letzte Schneefall wohl etwas ergiebiger, also fahren wir am nächsten Morgen Richtung Madonna di Campiglio. Nach den veranschlagten 30 Minuten Fahrzeit ist zwar erst die Hälfte der Strecke zurückgelegt, doch neben der Straße zeigen sich erste Spuren des Winters. Am Parkplatz starten wir den Aufstieg mit Ski auf komfortabler Unterlage. Im schattigen Hang unter der Materialbahn steigen wir hinauf zum Riffugio am Lago di Nambino. Dann weitet sich der Talkessel und präsentiert Geröllhalden und aperen Wald. Nur im Schutz der Felsen hat sich in einer Rinne die begehrte Grundlage erhalten. So erreichen wir den Passo Ritorto und plötzlich wird der Blick auf die eindrucksvollen Brenta-Wände frei. Auf der Südseite des Passes fehlt der Schnee, ein wenig höher geht es noch zu Fuß, dann wird der Aussichtsplatz zum Gipfel erkoren. Nach ausgiebigem Sonnenbad folgen wir dem Anstiegsweg ins Tal - da ist wenigsten sicher, dass der Schnee ausreicht, die Qualität: variabel. Nur an der gemütlichen Hütte am Lago di Nambino kommen wir nicht vorbei, dafür verpassen wir auch die steile Schneise unter der zugehörigen Materialbahn.
Auf der Rückfahrt findet sich noch eine Einkehr mit Aussichtsterrasse, auf der wir die letzten Sonnenstrahlen bei einem Kaltgetränk genießen. Am Abend gibt es Livemusik, beim Tanz werden müde Muskeln wieder munter.
Auch am Rosenmontag fahren wir Richtung Brenta. Das Skigebiet von Folgarida wird an der Malga di Vigo gequert, dann folgen wir den weißen Mulden und Bändern zum Monte Nambino. Leider verschluckt uns kurz vor dem Ziel dichter Nebel, das viel gerühmte Gipfelpanorama steckt in Wolken. Bei der Abfahrt beginnt es leicht zu schneien. Die Malga di Vigo im Skigebiet läd zur Einkehr während der Schneefall teilweise in Regen übergeht.
Am Abschiedstag scheint wieder die Sonne. Aus dem Loipengebiet von Folgarida peilt Luis direkt die steilen Wände der Brenta an. Eine weiße Wanne liegt eingebettet zwischen hohen Felswänden, das Val Gelada di Campo. Die Sonne fällt in flachem Winkel in das nordwärts ausgerichtete Tal, die Steilstufen liegen im Schatten und fordern wieder gute Technik bei den Spitzkehren mit Harscheisen. An der Bocchetta dei Tre Sassi ist es ungemütlich zugig, die Aussicht auf die gegenüberliegenden Wände beeindruckend. Schnell sind die Felle im Rucksack verstaut. Der Schnee sorgt für Überraschungen - mal weich und leicht, beim nächsten Schwung hart, in der Sonne teilweise angetaut. Mit glühenden Oberschenkeln kommen wir an der Loipe im Tal an, für den kurzen Anstieg zum Parkplatz werden noch einmal die Felle bemüht.
Zum Abschied gibt es noch Cappuccino auf der Aussichtsterrasse mit Brentablick oberhalb Folgarida, dann fahren wir Richtung Norden - voll Erinnerungen an die vielen schönen Erlebnisse in dieser eindrucksvollen Landschaft.
A bisserl was geht immer - Danke, Luis.


                 
               
         

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