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Wandern und Klettern im Tessin

verfasst von franz_f, martina_s am 18.02.2018

DSC07199 "Wandern und Klettern im Tessin" mit Luis - Via Alta Verzasca
verfasst von Klaus Weiss
Start: Samstag den 29.09.18 um 6:45 Uhr am Bahnhof in Weiler.
Die Planung von Lius sah vor, mit dem Auto bis Vogorno ins Verzasca-Tal, dort das Auto zu parken, und dann mit dem Bus um 9:45 Uhr bis nach Sonogno zu fahren. Bei herrlichem Wetter über den San Bernardino klappte alles wie am Schnürchen. Die Wettervorhersagen hatte für Bosco Gurin, welches sich doch einige Kilometer entfernt von unserem Standort befindet, ungefähr den späten Sonntagnachmitttag und Montag einen Temperaturrückgang angekündigt, welcher je nach Örtlichkeit unterschiedlich stark ausfallen sollte, von Schnee in höheren Lagen bis zu tieferen Temperaturen war die Rede. Mal sehen was daraus werden sollte.
In Sonogno mit dem Bus angekommen starten wir mit dem Aufstieg zur Cap. Barone. Kurz vor 16:00 Uhr hatten wir die 1200 Höhenmeter von Sonogno bis zur Cap. Barone welche auf 2172m liegt überwunden.
Die Hütte besteht aus einem größeren Wirtschaftsraum mit einem größeren Holzherd zum Heizen, Gasherd, Spüle, Schränke für das Geschirr und einigen vorhandenen Lebensmittel, sowie dem Gastraum mit Tischen und Bänken bzw. Stühlen. Alles ist zweckmäßig, modern eingerichtet, alles Notwendige ist eigentlich vorhanden. Der Schlafraum befindet sich oberhalb dem Wirtschaftsraum im Dachstuhl. Der Waschraum mit Toilette ist in einem separaten Gebäude untergebracht. Alle weiteren Hütten sind ungefähr nach demselben Schema eingerichtet.
Nach einem Kaffee spazierten wir noch zum Lago Barone. Sehnsüchtige Blicke gingen von Lius noch zum Pizo Barone (2864m). Aber eingedenk des Sachverhalts, dass wir beim Abstieg wahrscheinlich in die Nacht hineinkommen würden und dass die Etappe für den nächsten Tag doch recht ordentlich werden sollte, genossen wir den See und den Ausblick. In der Hütte macht sich Karl sogleich an die Zubereitung vom Abendmenü aufgeteilt in Suppe als Vorspeise und Hauptspeise.
Am nächsten Morgen den 30.09.18 war das nächste Ziel, an der Cap. Cognora vorbei, zur Cap. Efra zu gehen. Gehzeit ungefähr 10:00 Stunden. Mit Sonnenaufgang zogen wir los. Der Weg schlängelte sich über steile Grasflanken, ein ständiges Auf und Ab, und felsige Abschnitte bis zum Passo Piato (2108m). Trittspuren sind zwar deutlich vorhanden, doch sehr schmal, welches im Allgäu manchmal an einen vielbegangenen Wildwechsel erinnern würde. Ein Stolperer ist nicht unbedingt ratsam, da dieser über die steilen Gras- und Felsflanken erst einige hundert Meter tiefer enden dürfte. Wegmarkierungen sind vorhanden, jedoch ist das "Alpine-Auge" gefordert. Der Weg folgt meistens einer logischen Linie. Von Vorteil ist jedoch wenn man jemanden dabei hat, der sich auskennt.
Die Umgebungstemperatur war trotz des blauen Himmels etwas frisch, auch ein kalter Wind war spürbar. Ein Nebelmeer bedeckte den Talgrund, welcher manchmal höher stieg, oder manchmal den Anschein hatte sich aufzulösen.
Vom Passo Piato (2108m) ging es wieder hinunter zur Cap. Cognora (1938m) welche wir ungefähr um 10:15 erreichten. Nach kurzer Pause machten wir uns an den Aufstieg zum Pizzo di Mezzodi (2708m) dann auf 2530m hinunter ins Joch, von dort wieder hinauf über den Grat auf den Madom Gröss (2746m) dem höchsten Punkt an diesem Tag, und zur Abwechslung wieder hinab ins Joch auf 2570m, und wieder hinauf auf den Pizzo Cramosino (2718m), dem letzten Gipfel von diesem Tag. Von dort wieder hinab zu unserem Ziel die Cap. Efra, welche auf 1876m Höhe liegt.
Der Weg über die Grate und Gipfeln entsprach ungefähr der Wanderwegklassifizierung T5 bis T6, welches ungefähr dem Klettergrad II bis III entspricht. Dies bedeutete, dass meistens feste Griffe und Tritte immer vorhanden sind. An etwas schwierigeren Stellen sind jedoch Stahlbügel oder auch Seile montiert. Dem versierten Wanderer fehlt es somit an nichts, außer das an den Weggabelungen vielleicht manchmal ein Schild in welche Richtung, und was ganz wichtig wäre, mit einer Zeitangabe, hilfreich wäre.
Das Wetter war hervorragend, die Temperatur stieg leicht an, welches ein angenehmes Gehen erlaubte. Die Sicht über der Wolkendecke war fast grenzenlos. Allerdings im Laufe des Tages schob sich von Westen eine weise Wolkendecke allmählich vor die in der Ferne liegenden Gipfel. Diese wurde immer kompakter, und am Spätnachmittag stieg auch die Wolkendecke vom Tal zu unserer Höhe an, so dass der Weg zu unserem Ziel die Cap. Efra im Nebel stattfand. Hier machte sich dann doch, zumindest beim Verfasser, die lange vorherige Wanderzeit bemerkbar, vor allem da nach dem Abstieg vom Pizzo Cramosino und bei der anschließenden sich lang hinziehenden Querung im Nebel die Hütte einfach nicht erscheinen wollte.
Um ungefähr 19:00 Uhr konnte Luis endlich die Tür zur Hütte öffnen und ein großes Hallo und Gejohle schallte uns entgegen. Der Tessiner Giorgo Matasci mit zwei jungen Gehilfen war auf der Hütte, um Vorbereitungen für eine geplante Hüttenerweiterung durchzuführen. Die Hütte war schon gut geheizt und sofort wurden wir reichlich mit Essen, Speck, Wurst, Käse und einer warmen Mahlzeit versorgt. Dies war ein angenehmer Tagesausklang.
Am Montag den 01.10.18 hatte sich das Wetter wie angekündigt verschlechtert. Es war empfindlich kalt geworden, es nieselte, Nebelschwaden zogen vorbei, und wenn der Bllick nach der höheren Umgebung frei gegeben wurde, konnte man einen weisen Belag feststellen. Das Tagesziel sollte die Cap. Cornavosa sein. In der Erwartung, dass die Bedingungen bei unserer Etappe sich nicht verschlechtern würden, wurde beschlossen diese Tagesetappe anzugehen. Um 9:00 Uhr starteten wir.
Die nächsten Gipfel waren der Cima Gagnora (2518m, der Cima di Rierna (2461m) und der Cima Lunga (2488m). Die Gipfel mussten jeweils über ihre Grate bestiegen und wieder dem Grat folgend abgestiegen werden. Es war ein ständiges Auf und Ab. Die Schwierigkeiten bewegten sich auf den Graten um T5.
Die Sicht in die nähere Umgebung war einigermaßen vorhanden. Wir liefern meistens knapp unterhalb der Wolken- bzw. Nebelgrenze. Die Temperatur wurde allerdings mit steigender Höhe kälter. Ein leichter Graupel empfing uns manchmal auf dem Gipfel, wobei uns vor allem am Grat ein orkanartiger böiger Wind zu schaffen machte. Um einen halbwegs aufrechten Gang hinzubekommen war man gezwungen sich mit dem Rucksack in den Wind zu drehen, immer in der Erwartung das die nächste Böe einen umschmeißen würde.
Größte Aufmerksamkeit erforderte bei den Querungen auch die Beschaffenheit des Felsens dh. hatte sich eine fast unsichtbare Eisschicht gebildet Ja oder Nein?
Beim endgültigen Abstieg vom Grat normalisierten sich wieder die Verhältnisse, es schien sogar das Wetter sich allmählich zu verbessern. An der Alpe Fümegna (181ßm) vorbei ging es leicht ansteigend in einer langen Querung hinüber zur Cap. Cornavosa (1991m), welche wir ungefähr um 18:00 Uhr erreichten.
Das Abendessen wurde wieder von Karl zusammengestellt, wie üblich mit einer hervorragenden Suppe und der Hauptmahlzeit.
Das Wetter versprach für den Dienstag den 02.10.18 besser zu werden, welches auch zutraf. Das nächste Hüttenziel sollte die Cap. Borgne sein. Um ungefähr 8:00 Uhr starteten wir wieder.
Ein kleiner Verhauer bei der Wegfindung am Anfang kostete uns ungefähr 1,5 Stunden. Wieder auf dem richtigen Weg stand als erstes der Gipfel Poncione del Venn (2477m) auf dem Programm. Von dort über den Grat auf den Poncione dei Laghetti (2445m), und nun immer weiter über die Grate entlang zum Cima del Picoll (2440m), den Cima della Cengia (2394m), und als letztes zum Poncione di Piotta (2440m). Von dort ging es über den Grat hinab bis zu einer Weggabelung, wo die Option bestand den Madone (2395m) noch mitzunehmen. Aber in Anbetracht der Länge der Tour und der doch bereits fortgeschrittenen Zeit ging es gemächlich über die Scharte Btte Cazzane zur Cap. Borgne hinab, welche wir noch vor 18:00 Uhr erreichten.
Auch bei dieser Überschreitung bewegte sich der Schwierigkeitsgrad der Wanderung im Gratbereich von T5 bis T6. Insgesamt befand man sich bei dieser Etappe jedoch vermehrt bzw, fast ständig im Klettermodus. An einigen Stellen halfen Bügel oder Stahlseile über die etwas schwierigeren Passagen.
Da sich das Wetter wie vorhergesagt besserte, hatten wir bei dieser Tagesetappe wieder eine angenehme Temperatur, blauer Himmel, weite Fernsicht, welche immer wieder zu einer Diskussion führte, welches schneebedeckte Felsmassiv man in der Ferne sehen würde. Man einigte sich darauf das in südwestlicher Richtung dies eigentlich nur das Monte Rosa Massiv sein kann, mit den weiter Rechts liegendem Strahlhorn, Rimpischhorn, Allalinhorn und der Mischabelgruppe. Noch weiter rechts, in ziemlich genau in westlicher Richtung waren die Berner Alpen mit Bietschhorn zusehen.
Schön war auch der Blick auf den oberen Lago Maggiore, mit der Insel Brissago, sowie die beiden oberen Teile vom Lago Lugano, wobei man deutlich die Überquerung der Autobahn bei Lugano sehen konnte.
Die Cap. Borgne war gut besucht. Der nicht sehr große Wirtschaftsraum war voll besetzt. Offenbar nutzten viele Wanderer hier die Via Alta Verzasca zu beginnen oder nur eine Tagesetappe mit Übernachtung durchzuführen. Im Grunde waren wir nun an unserem Ende der Via Alta Verzasca angelangt, es ging jetzt nur noch darum wie der Rückweg nach Vogorno gewählt werden sollte.
Drei Optionen standen uns zur Verfügung, Eine sehr interessante Variante wäre der Rückweg über den Pizzo di Vogorno (2442m) und dann über das Museumsdorf nach Vogorno hinunter. Allerdings musste hierbei der Aufstieg zum Vigorno, und der weite Abstieg, sowie noch die Heimfahrt ins Kalkül gezogen werden. Der Normalaufstieg zur Hütte bzw. für uns der Abstieg, schien uns dann doch die günstigste Variante zu sein, da hierdurch auch eine zeitgemäße Heimfahrt möglich sein würde, welche wir dann auch so wählten. Der Abstieg über die Steintreppen zogen wir dann nicht mehr weiter in Betracht.
Mittwoch den 01.10.18 starteten wir um ungefähr 8:00 Uhr den Abstieg nach Vogorno. Das Wetter war wieder hervorragend, Sonne und eine angenehme Temperatur begleitete uns. Der Weg schlängelte sich über Serpentinen hinab. Mit dem Erreichen der Baumgrenze empfing uns der Laubwald mit seinem gebrochenem und blinkendem Licht durch die Blätter, mit seinen Schattenspielen, und dem Rauschen der Blätter zwischen den Schuhen. Vorbei ging es an im Verfall befindliche Stadel. Gleich daneben aber auch wunderschön hergerichtete Hauser, bei denen man nur erahnen konnte, welche Mühe es wohl gekostet haben mag diese wieder in den hervorragenden Zustand zu versetzen. Ungefähr um 11:30 Uhr erreichten wir Vogorno und konnten erleichtert unsere Rucksäcke in unser an der Kirche geparktes Auto ablegen.
Da Luis noch einen Grappa mitnehmen wollte besuchten wir noch Maria Vetterli, welche uns schon hocherfreut erwartete und uns mit einem wohlschmeckenden Kaffee bewirtete.
Reich beschenkt mit Weintrauben und Erlebnissen traten wir die Heimreise an, welche im Kaffee Mangold ihren Ausklang fand.


                 
       

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