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2016-10-29 Bericht der Erstbesteigung vom Takphu North (6142 m) in Nepal

verfasst von uli_r, franz_f am 28.12.2016

Nepal Anlässlich des 60. Geburtstages unseres Vorstandes Herbert Bader entstand die Idee von einer Erstbesteigung eines Sechstausenders. Doch wo gibt es noch unbestiegene 6000er? Zunächst fokussierte sich die Planung auf Zentralasien und endete schließlich in Nepal. Dort weckte relativ schnell die abgelegene Humla-Region im Nordwesten des Landes, unser Interesse. Einige von uns in Betracht gezogene 6000er, wurden jedoch in unserer Planungsphase schon von anderen Gruppen erstbestiegen, so dass letztendlich der Takphu North mit 6142 m unser Ziel wurde. Für die Erstbesteigung waren lange und intensive Vorbereitungen unerlässlich. Dies umfasste einerseits die Finanzierung und die Sponsorensuche und andererseits die Bürokratie in Nepal. Hierbei war vor allem unser nepalesischer Führer Bhai Krishna sehr hilfreich, der sich intensiv im Tourismusbüro in Katmandu um die Permitvergabe für den Gipfel und weitere Genehmigungen kümmerte. Nachdem wir mit neuen Pickeln, Steigeisen, Karabinern und Bandschlingen der Firma ?Stubai? und Handschuhen und Wärmepads der Firma ?The Heat Company? ausgerüstet waren, fühlten wir uns optimal vorbereitet, um in das große Abenteuer zu starten. Von Zürich ging es am 28.09.16 über Oman nach Katmandu. In Katmandu angekommen, regnete es in Strömen und die Starkniederschläge spülten uns vom Flughafen regelrecht ins Tourismusbüro. Dort waren ordnerweise Formulare vorbereitet, die es nun in Akkordarbeit zu unterschreiben galt. Nachdem allen bürokratischen Normen genüge getan war, durften wir unser Expeditionspermit feierlich in Empfang nehmen und konnten beruhigt ins Hotel fahren. Denn am nächsten Tag folgten zwei Inlandsflüge, die uns über das Nepalesische Tiefland an der Indischen Grenze schließlich zu den Bergen im Humla-Gebiet brachten. Als wir nach der Landung auf der gefühlt viel zu kurzen Landebahn inmitten der steilen Berge auch noch feststellten, dass unser Flieger einen Platten hatte, waren wir sehr froh von nun an nur noch zu Fuß weiterlaufen zu dürfen. Nachdem wir uns entschieden hatten auf dem Weg zum Basislager eine Abkürzung über einen 5000 m hohen Pass zu nehmen, musste die Höhenanpassung sehr sorgfältig geplant werden. Als schließlich sämtliches Material, die Küchenmannschaft, die Eseltreiber und alle Transporttiere in Simikot (ca. 3000 m) versammelt waren, brachen wir am 03.10.2016 endlich zu ?unserem? Berg auf. Der Weg führte an wilden Gebirgsflüssen, steilen Terrassenfeldern, hohen Pässen, kargen Landschaften und beeindruckenden Bergen immer weiter Richtung Tibetischer Hochebene. Die Einfachheit der Behausungen und die harte Arbeit der Bevölkerung auf den Feldern hatten sich ebenso ins Gedächtnis gebrannt, wie das stets fröhliche Lächeln und die Gastfreundschaft der Einheimischen. Der vermutlich gefährlichste Moment während des Hinweges war, als wir durch Donnern und bebenden Boden geweckt wurden, da eine Herde von ca. 800 Yaks an unseren Zelten vorbei zu ihren Winterwiesen getrieben wurden. Diese waren weder mit Zeltschnüren noch mit verschreckten Touristen gut vertraut, sodass auf beiden Seiten große Irritation und Schrecken herrschte. Aber nachdem auch diese Gefahr überstanden war, bogen wir letztlich doch noch in unser einsames Tal ein und bezogen auf ca. 4900 m unser Basislager. Unsere 17 Tragetiere, sowie deren Treiber, liefen einen Tagesmarsch wieder talauswärts, da im Bereich des Basislagers nicht genug Futter zu finden war. Unsere geschrumpfte Truppe stand nun endlich am Talschluss und sah zum ersten Mal den Berg, den wir schon so oft in Karten und Google Maps analysiert und nach Aufstiegsmöglichkeiten untersuchte hatten. Nachdem die Informationslage während der Planung relativ dünn war, wurden die folgenden zwei Tage gut genutzt, um das Gelände zu erkunden, alte Pläne zu verwerfen und neue Routen mit Steinmännchen zu markieren. Schließlich klingelte am 12.10.2016 um 0:30 Uhr der Wecker und es ging los. Müde, dick eingepackt und nur den Stirnlampenkegel folgend, stolperten wir unseren Markierungen über Moränen und gefrorenes Blockfeld dem Gletscher entgegen. Diesen erreichten wir, wie geplant zum Sonnenaufgang und kamen damit endgültig in den Bereich, den wir vorher nicht einsehen konnten und über den wir viel diskutiert hatte. Würde ein einfacher Gletscherrücken auf uns warten, ein steiler Aufschwung oder gar ein zerrissener Gletscher mit senkrechten Abbrüchen? Welche Ausrüstung und wie viel Zeit würden wir für diesen Abschnitt benötigen? Doch nicht nur die Wettergötter waren uns an diesem Tag gnädig, auch der weitere Routenverlauf löste sich in gut geh bares Gelände auf und erlaubte es uns allen am 12.10. um halb elf auf dem Gipfel des Tapkhu North zu stehen! Bei Windstille und strahlendem Sonnenschein standen wir sprach-(und atemlos) am Gipfel und konnten in diesem Moment nicht realisieren, dass wir tatsächlich auf einem unbestiegenen Gipfel standen und damit unsere zweijährige Planung von Erfolg gekrönt war. Nach vielem Schulterklopfen, Umarmen, Fotos und Tränen, folgte ein langer Abstieg. Denn unser Basislager lag nun knapp 1200 Hm tiefer und 9 km von uns entfernt. Erst im Abstieg konnten wir das Ausmaß des gequerten Blockfeldes ganz erfassen. Mit steigender Müdigkeit und nachlassender Konzentration wurde dies zur eigentlichen Schlüsselstelle der Tour. Besonderen Dank muss an dieser Stelle unserem Küchenteam zugesprochen werden, die uns mit süßem Tee entgegeneilten und uns somit für die letzte Strecke motivierten. An diesem Abend fiel jeder müde in seinen Schlafsack, um am nächsten Morgen glücklich aufzuwachen. Denn erst jetzt hatte man realisiert was man am Vortag geleistet hatte und mit Blick auf den erstbestiegenen Gipfel schmeckte das Frühstück sogar noch besser. Der anschließende Rückweg nach Simikot, führte uns über zwei 5000 m Meter Pässe, ein sehr altes Buddhistisches Kloster und viele Dörfer, die gerade hart auf den Feldern ihre Ernte eintrugen. Nach über 150 km Strecke kehrten wir nach 3,5 Wochen wieder nach Simikot zurück. Den letzten Abend feierten wir sechs Sektionsmitglieder mit unserer 12-köpfigen nepalesischen Mannschaft mit köstlichem Essen, ausreichend Getränken und viel Gesang. Nach einem kurzen kritischen Blick auf das kleine Flugzeug (kein Platten), stiegen wir ein und flogen wieder nach Katmandu zurück. Nach unserer Ankunft in Katmandu gewöhnten wir uns schnell wieder an das pulsierende, bunte und laute Treiben der nepalesischen Hauptstadt. Durch die schnelle Gipfelbesteigung hatten wir jetzt mehrere Tage Zeit, uns dem zweiten Thema unserer Reise zu widmen: Nepal nach dem Erdbeben. Am 22.10.2016 fuhren wir in Bhai Krishnas Heimat im Süden von Katmandu. Dort fanden wir sein Geburtshaus, von dem nur noch ein Steinhaufen nach dem Erdbeben übrig war. Am 23.10.2016 besuchten wir das Waisenhaus von PAORC, an das ein Teil unserer Spendenaktion vom Frühjahr 2015 ging. Wir waren vom Aufbau und von dem Konzept des Waisenhauses sehr begeistert und können mit gutem Gewissen sagen, dass das Geld gut angekommen ist und bestens eingesetzt wurde. Herbert überreichte bei dem Besuch auch gleich noch das Geld, das er an seiner Geburtstagsfeier bekommen hat. Vom 23. ? 25.10.2016 wanderten wir noch im Norden von Katmandu im Nationalpark. Dort waren auch noch sehr viele Erdbebenschäden zu sehen. Nach einem Tag in Katmandu flogen wir am 28.10 .2016 zurück nach Zürich.
Wir danken unserer Sponsoren und allen die diese einzigartige Reise für uns ermöglicht haben und sich auf vielfältigen Arten mit eingebracht haben.
Unser Sponsor: STUBAI BERGSPORT
Unser Sponsor: THE HEAT COMPANY

Hier gehts zum Vortrag der Erstbesteigung des "Takphu North"


                 
               
   

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