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2017-02-24 Faschings-Skitouren in Südtirol

verfasst von franz_f, martina_s am 13.10.2016

P2820167 Faschings-Skitouren im südtiroler Ridnauntal mit Luis
vom 24. bis 28.02.2017
Während die Narren das Westallgäu in Beschlag nehmen, macht sich eine kleine Gruppe auf zu Faschingsskitouren in Südtirol. Obwohl die Schneelage auch in diesem Jahr nicht verlockend ist, lautet das Ziel Ratschings auf der Südseite vom Brenner. Mehr oder weniger optimistisch nach dem Studium aller verfügbaren Tourenberichte und Webcam-Bilder machen wir uns auf den Weg.
Der Freitag bringt noch ein klein wenig Nachschub des begehrten weißen Stoffs, was den Autofahrern nur wenig Sorgen bereitet, da die Straßen frei sind. Beim Verlassen der Autobahn in Sterzing scheint schon fast wieder die Sonne. Dort sind die Wiesen alle braun, in den Skigebieten leuchten weiße Bänder aus dem dunklen Wald.
Dafür werden wir im Hotel in Mareit mit herzlichem Lachen empfangen. Nach dem alle Autos eingetroffen sind, beziehen wir die Zimmer und bald gibt es ein leckeres Abendmenü mit Salat- und Suppenbuffet.
Am Samstagmorgen steigt mit der Sonne die Spannung: Finden wir genug Schnee? Die Rodelbahn am Talschluss soll in Betrieb sein, also könnte da etwas gehen. Wir fahren das Ridnauntal hinauf bis zum Straßenende hinter Maiern am Bergbaumuseum. Hier, auf 1400 Metern, sind die Tannen ein wenig weiß, die Naturrodelbahn auch. Wir parken neben rostigen Eisenbahnwaggons der alten Grubenbahn, mit der bis vor gut 30 Jahren noch das Erz vom Berg transportiert wurde. Gleich nach dem Parkplatz können wir mit Ski losgehen, auch wenn die Schneelage für die spätere Abfahrt zur Vorsicht mahnt. Der Weg führt schnell in die Höhe und in ein schattiges Tal. Dort wird der Schnee bald mehr. Umgestürzte Bäume, die den Weg versperren, sorgen für etwas Abwechslung auf der langen Trasse, der wir etwa 6 Kilometer weit folgen. Oberhalb des Wegs hängen Gondeln einer alten, luftigen Seilbahn, die die Bergleute früher zum Grubeneingang transportiert hat. Kurz vor den alten Stolleneingängen verlassen wir die Straße und folgen einer angenehmen Spur in ein weites Kar. Es liegen inzwischen 20 Zentimeter Pulverschnee auf alter Unterlage, die ersten Abfahrenden hinterlassen vielversprechende Spuren. So kümmert es nicht, dass der geplante Track ein wenig abseits liegt ... Im Joch westlich der Gleckspitze endet die Spur, auf diesem Weg ist der Gipfel jedoch nicht erreichbar. Als Lohn gibt es einige schöne Schwünge im unerwartet feinen Pulverschnee. Doch der Gipfel ist das Ziel. Also fellen wir bald noch einmal an und nehmen den Anstieg von Nordosten. Der steile, abgeblasene Gipfelgrat fordert alle Aufmerksamkeit, dann ist das kleine Gipfelkreuz erreicht. Die Aussicht ist grenzenlos, und da es fast windstill ist, wird sie ausgiebig genossen. Beim Blick auf die umliegenden Gipfel bietet jedoch kaum einer eine einladende Abfahrt an. Die Südseiten sind fast gänzlich schneefrei, und auch sonst ist die Schneelage sehr sparsam ...
Doch zuerst wird die aktuelle Abfahrt genossen! Direkt über die Gipfelwechte fahren wir einzeln in den steilen Hang, um bald schöne Spuren im unberührten Pulver zu hinterlassen. Luis findet immer wieder Hänge, die wir mit neuen Spuren verzieren können. Mit breitem Grinsen sausen wir den Fahrweg hinab zum Parkplatz. Nur kurz vorm Ziel ist ein Stückchen zu Fuß zu gehen von Vorteil fürs Material. Ein Kalt- oder Heißgetränk auf die unerwartet schöne Abfahrt, dann kehren wir ins Hotel zurück. Mit einem Saunabesuch und lecker Abendessen geht der ereignisreiche Tag zu Ende.
Für Sonntag hat Luis eine Tour im Ratschingstal im Visier. So fahren wir nach dem Frühstück ins Nachbartal, vorbei am kleinen Skigebiet, wo am Morgen schon reges Treiben herrscht. Im Talschluss, an einer kleinen Kapelle bei Flading suchen wir uns einen Parkplatz und folgen der Karawane von Tourengehern aufwärts. Zu Beginn ist die Schneeauflage auf dem Alpweg gerade ausreichend. Bis zur Klammalm ist der Weg nicht zu verfehlen, es ist fast wie auf einer Piste. Nach der Alphütte verteilen sich die aufsteigenden in zwei Richtungen, zur Hohen und zur Kleinen Kreuzspitze. Das große Gipfelkreuz der Hohen Kreuzspitze (2743 m) lockt uns den steilen Osthang hinauf und es kommen bald einmal im hart gefrorenen Schnee die Harscheisen zum Einsatz. So erreichen wir relativ entspannt die Senke des Butsees, wo eine längere Pause fällig ist. Wie häufig, wenn das Kreuz weithin sichtbar ist, will es einfach nicht näher kommen. In einem weiten Bogen nähern wir uns dem felsigen Gipfelaufbau. Von Westen reicht der Schnee bis hinauf zum Grat und mit wenigen Kehren stehen wir oben - doch das Kreuz ist noch immer ein gutes Stück entfernt. Wir lassen die letzten Mitglieder einer großen Gruppe noch passieren, dann stürzen wie uns in die kurze, ausgesetzte Abfahrt ? mit gebührender Vorsicht, das ?stürzen? mit Fellen und offener Bindung nicht wörtlich zu nehmen. Bald genießen wir Aussicht, Brotzeit und Gipfelschnapserl unter dem schönen Kreuz. Die Sonne versteckt sich hinter hohen Wolken, die Berge jedoch sind frei und laden zum beliebten Namen raten: Dolomiten, Texelgruppe, Ötztaler Alpen, Stubaier Wildspitze, Pflerscher Tribulaun, ...
Die Abfahrt lockt, der Schnee ist gar nicht so übel und an schmaleren Passagen pistenartig eingefahren. Auf 150 Höhenmetern folgen wir der Aufstiegsspur, dann biegt Luis nach Nordosten ab. In der steilen Einfahrt hat der Wind Spuren hinterlassen, wir fahren mit großen Abständen in den riesigen Hang. Der Schnee ist nicht mehr ganz pulverig, aber gut zu fahren, sodass die Klammalm bald erreicht ist. Auf der "Buckelpiste" schwingen wir hinab zum Waldrand, dann wird es noch einmal spannend. Der Versuch, das im Aufstieg sehr schneearme Wegstück im steilen Wald zu umgehen, erweist sich als höchst anspruchsvoll, denn unter dem weichen Waldboden ist stellenweise Eis versteckt. Der letzte Hang lässt noch ein paar nette Schwünge zu, bevor wir am Parkplatz mit einem Schlückchen Sekt auf die gelungene Tour anstoßen.
Am Rosenmontag verspricht das Wetter noch einmal einen schönen Skitag, die Schleierwolken haben sich in der Nacht verzogen und es ist kälter geworden. Mehr Schnee gibt es noch nicht, und so nehmen wir die kleinere der beiden Kreuzspitzen unter die Ski. Am Parkplatz in Flading in Ratschingstal stehen nur wenige Autos, einsam machen wir uns auf den Weg zur Klammalm. Nach einer gemütlichen Pause schlurfen wir weiter bergwärts, in Sichtweite des gestrigen Ziels, jedoch deutlich östlich davon. Das Gelände ist unübersichtlich mit vielen Kuppen und Gräben, doch die Spur ist unübersehbar. Je höher wir kommen, desto stärker bläst der Wind, bis wir uns alle entsprechend gekleidet haben - dann hört er auf. Im letzten Kessel unterhalb des Gipfels ist es windstill und sehr warm. aber oben am Grat bläst es wieder. Die letzten Meter werden die Ski hinaufgetragen. Das kleine Gipfelkreuz auf 2518 m schmiegt sich an die Wechte. In deren Windschatten ist es überraschend angenehm. So verbringen wir eine dreiviertel Stunde mit bester Aussicht auf die Touren der vergangenen Tage. Nach den Hundertschaften, die am Wochenende den Gipfel besucht haben, ist kein unberührter Pulverschnee mehr zu finden, aber Spaß macht die Abfahrt so auch. Um nicht alles Getränk wieder ins Tal zu bringen, gibt es an der Klammalm noch mal eine Pause, dann schwingen wir die Buckelpiste und den Ziehweg zurück zum Parkplatz. Einkehr muss sein, diesmal am Eingang der im Winter gesperrten Gilfenklamm, einer beliebten Sommerattraktion. Im Hotel in Mareit beschließen wir dann den Tag erneut mit einem leckeren Abendmenü und ein paar Gläschen.
In der Nacht beginnt es leicht zu regnen, weiter oben zu schneien. Beim Frühstück herrscht Abschieds-Stimmung, der Wetterbericht hat zunehmende Niederschläge versprochen. Nach dem Frühstück löst sich die Gesellschaft langsam auf, ein Auto fährt gleich zurück nach Weiler. Die anderen ziehen sich wetterfest an und gönnen sich noch ein wenig Kultur und Shopping in Sterzing.
Fazit: a bisserl was geht immer ... - und manchmal richtig gut.
DANKE LUIS - SCHEE WAR?S


                 
               
           

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